Hallo du,
setz dich doch kurz zu mir. Nimm dir einen Kaffee, einen Tee oder worauf auch immer du gerade Lust hast. Ich möchte heute über etwas sprechen, das uns alle betrifft, über das wir aber oft nur hinter vorgehaltener Hand flüstern. Etwas, das sich manchmal anfühlt wie ein ungebetener Gast, der plötzlich im Wohnzimmer steht und beschließt, einfach einzuziehen.

Lass uns über die Perimenopause sprechen.
Weißt du, als ich jünger war, dachte ich immer, die Wechseljahre seien so ein ferner Zustand. Ein Schalter, der irgendwann umgelegt wird, und dann ist man eben “älter”. Ich dachte an das Ende von etwas. Aber niemand hat mir gesagt, wie laut, wie chaotisch und wie unglaublich transformierend diese Zeit wirklich ist.
Es fängt ja oft schleichend an. Ein Tag, an dem man sich plötzlich nicht mehr wie man selbst fühlt. Eine Nacht, in der man hellwach im Bett liegt und das Gedankenkarussell einfach nicht anhalten will. Diese emotionale Achterbahnfahrt und Momente, in denen man wegen einer Kleinigkeit in Tränen ausbrechen könnte, gefolgt von einer Wut, die man so von sich gar nicht kannte.
Manchmal stehe ich da und denke: Wer bin ich eigentlich gerade? Und wo ist die Frau hin, die ich gestern noch war?
Wenn es dir auch so geht: Du bist nicht allein. Und vor allem: Du bist nicht verrückt.
Unser Körper leistet in dieser Zeit Schwerstarbeit. Er baut um, er sortiert neu, er verabschiedet sich von einem Kapitel und bereitet sich auf ein neues vor. Das ist anstrengend. Das darf anstrengend sein. Wir müssen in dieser Phase nicht funktionieren wie kleine Maschinen. Wir dürfen müde sein. Wir dürfen gereizt sein. Wir dürfen uns zurückziehen, wenn uns alles zu viel wird.
Aber weißt du, was ich in dieser Zeit ganz besonders spüre? Etwas, das ich so noch nie in mir gespürt habe.
Ich fühle mich zum ersten Mal wirklich erwachsen. Richtig reif. Nicht im Sinne von “alt” sondern im Sinne von angekommen. Als würde ich endlich in meiner eigenen Haut wohnen, ohne mich darin zu entschuldigen.
Diese Zeit, so herausfordernd sie manchmal ist, lehrt mich so unglaublich viel. Ich lerne, auf meine innere Stimme zu hören – wirklich zu hören, nicht nur kurz hinzuhorchen und dann wieder wegzuschauen. Ich lerne, was mir gut tut und was mir nicht gut tut. Ich lerne, Grenzen zu setzen, ohne mich dabei schlecht zu fühlen. Und ich lerne, dass Stärke nicht bedeutet, immer stark zu sein.
Mit den Jahren und besonders jetzt in dieser Phase des Umbruchs merke ich, wie unwichtig viele Dinge werden, über die ich mir früher den Kopf zerbrochen habe. Die Meinung anderer? Wird leiser. Der Drang, es allen recht machen zu wollen? Schwindet. Stattdessen wächst da eine leise, aber sehr bestimmte Stimme in mir, die sagt: Jetzt bin ich dran.
Die Perimenopause ist nicht nur ein Abschied. Sie ist ein radikaler Neuanfang. Sie zwingt uns, hinzuschauen. Sie zwingt uns, uns selbst wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Sie fragt uns ganz direkt: Was tut dir gut? Was brauchst du? Und wovon darfst du dich endlich verabschieden?
Kleine Helfer aus der Natur
Weil unser Körper in dieser Zeit so viel leistet, dürfen wir ihn auch ein bisschen unterstützen. Ich habe mich in letzter Zeit viel damit beschäftigt, was uns die Natur in dieser Phase Gutes tun kann. Es ist erstaunlich, wie viele sanfte Helfer es gibt, die uns den Weg ein wenig leichter machen können.
Wenn die Nächte mal wieder unruhig sind und der Schlaf einfach nicht kommen will, sind Passionsblume, Baldrian wunderbare Begleiter sein. Eine warme Tasse Tee am Abend, vielleicht noch ein entspannendes Fußbad dazu und das hilft dem Körper, zur Ruhe zu kommen.
Für die Tage, an denen die Stimmung Achterbahn fährt und man sich innerlich aufgewühlt fühlt, ist Johanniskraut ein echter Lichtblick. Es gilt als “Sonnenfänger” unter den Pflanzen und kann helfen, die innere Balance wiederzufinden. Auch Melisse ist toll, wenn man sich gestresst und nervös fühlt.
Und dann gibt es noch den Mönchspfeffer und die Traubensilberkerze sind zwei echte Klassiker in der Frauenheilkunde. Sie können dabei helfen, das hormonelle Auf und Ab sanft auszugleichen. Auch Rotklee wird oft empfohlen, da er pflanzliche Stoffe enthält, die unserem Körper in dieser Umbruchphase guttun können.
Neben den kleinen Helfern aus der Natur gibt es noch etwas, das für mich in dieser Zeit absolut unverzichtbar geworden ist: Bewegung. Und ganz besonders Yoga.

Ich sage es ganz ehrlich: Yoga hat mich in dieser Phase aufgefangen wie nichts anderes. Es ist nicht nur Dehnen und Atmen denn es ist so viel mehr. Auf der Matte komme ich wieder bei mir an. Ich spüre meinen Körper, ich höre auf ihn, ich bin einfach da. Kein Funktionieren, kein Denken, kein Planen. Nur dieser eine Moment, dieser eine Atemzug. Für mich ist Yoga in der Perimenopause ein absolutes Geschenk, weil es mir hilft, wieder in die Balance zu kommen sowie körperlich und seelisch. Es beruhigt das Nervensystem, stärkt die Mitte und erinnert mich daran, dass mein Körper kein Feind ist, sondern mein treuester Begleiter.
Wenn du noch nie Yoga ausprobiert hast: Fang einfach an. Es muss nicht perfekt sein. Es muss nicht besonders aussehen. Zehn Minuten morgens auf der Matte können einen ganzen Tag verändern.
Und dann sind da noch die Spaziergänge. Oh, wie ich die Spaziergänge liebe! Es klingt so simpel, fast zu simpel, um wirklich zu helfen. Aber wenn ich rausgehe, frische Luft einatme, die Natur um mich herum wahrnehme dann legt sich etwas in mir. Die Gedanken, die sich vorher im Kreis gedreht haben, kommen zur Ruhe. Der Kopf wird freier. Das Herz wird leichter.
Frische Luft und Bewegung sind keine Kleinigkeit denn sie sind Medizin. Für den Körper, der Sauerstoff und Bewegung braucht. Für die Seele, die Weite und Stille braucht. Und für den Geist, der manchmal einfach aus den eigenen vier Wänden heraus muss, um wieder klar zu sehen.
Du musst keine Stunden wandern. Ein kurzer Spaziergang um den Block, barfuß durch den Garten, eine Runde durch den Park und das reicht. Das Wichtigste ist, dass du rausgehst. Dass du dich bewegst. Dass du dir diese Zeit schenkst.
Frühjahrsputz für die Seele
Was darf gehen, was darf bleiben?
Es ist April. Draußen erwacht alles neu. Die ersten Blüten öffnen sich, die Luft riecht nach Erde und Aufbruch, und irgendwie packt uns alle dieser Drang: aufräumen, lüften, neu ordnen.
Wir schleppen Kartons in den Keller, sortieren Schränke aus, öffnen Fenster und lassen die frische Luft rein. Und ich frage mich in letzter Zeit immer öfter: Warum machen wir das eigentlich nur mit unseren Wohnungen?
Die Perimenopause ist, wenn ich ehrlich bin, der größte Frühjahrsputz, den ich je erlebt habe. Nicht der, bei dem man Staub wischt und Ordnung schafft. Sondern der tiefe, der ehrliche, der manchmal unbequeme. Der, bei dem man in alte Kisten schaut und sich fragt: Brauche ich das noch? Tut mir das noch gut? Oder trage ich das nur mit mir, weil ich es schon so lange trage?
Ich habe in den letzten Monaten angefangen, genau das zu tun. Ich habe geschaut, was ich loslassen darf. Alte Glaubenssätze, die mir nie wirklich gehört haben. Das Bild davon, wie ich als Frau, als Mutter, als Unternehmerin zu sein habe. Die Erwartungen an meine eigenen und die der anderen. Vieles davon hat sich angesammelt wie Staub in einer Ecke, die man jahrelang nicht angefasst hat.
Und weißt du was? Es tut so gut, auszumisten.
Nicht alles auf einmal. Nicht mit Gewalt. Sondern sanft, Schritt für Schritt, so wie man einen Raum aufräumt: erst eine Schublade, dann eine Ecke, dann ein ganzes Zimmer. Und plötzlich ist da so viel mehr Licht. So viel mehr Raum. Raum für das, was wirklich zu mir gehört. Raum für das, was ich wirklich will. Raum für die Frau, die ich gerade werde.
Vielleicht magst du dir in diesem April auch ein paar Minuten Zeit nehmen aber nicht für den Schrank, nicht für den Keller, sondern für dich. Setz dich hin, nimm dir ein Blatt Papier und schreib einfach auf: Was darf gehen? Was hat ausgedient? Und was möchte ich mit in den nächsten Lebensabschnitt nehmen?
Es muss keine große Antwort sein. Manchmal ist es nur ein Satz. Manchmal nur ein Wort. Aber dieser eine Satz, dieses eine Wort kann der Anfang von etwas sehr Schönem sein.
Der Frühling macht es uns gerade vor: Altes loslassen, damit Neues wachsen kann. Und das Schönste daran? Wir sind mittendrin.
Vielleicht bist du gerade mittendrin in diesem Sturm. Vielleicht stehst du noch am Anfang und fragst dich, was da auf dich zukommt. Oder vielleicht hast du das Gröbste schon hinter dir. Wo auch immer du gerade stehst: Sei sanft zu dir. Sei nachsichtig mit deinem Körper, der gerade so viel leistet. Gönn dir eine Tasse Tee, roll deine Yogamatte aus, geh raus in die Luft.
Lass uns aufhören, dieses Thema zu verstecken. Lass uns darüber reden ob beim Kaffee, beim Spaziergang oder hier im Journal. Lass uns unsere Erfahrungen teilen, unsere Frustrationen und unsere kleinen Siege. Denn wenn wir unsere Geschichten teilen, verlieren sie ihren Schrecken.
Du bist wunderbar, genau so, wie du bist. Mit jeder schlaflosen Nacht, mit jedem Moment des Zweifelns und mit all der neuen Stärke und Reife, die gerade in dir wächst.
Fühl dich fest umarmt,
Deine Miriam
Erzähl doch mal was Dir Hilf?


1 Kommentar
Wie schön, dass Yoga dir hilft! Es geht ja vielen so und ich bin so froh, dass mein Wilde Weiblichkeit Retreat, das genau da ansetzt, so viel Anklang findet. Es hilft nämlich sehr, wenn wir uns austauschen und merken, wir stecken da nicht allein drin.